Smart Home oder KISS?

Ein Hinweis vorab. Ich (Andi) bin Informatiker, und so denkt man vielleicht, dass wir unser ganzes Haus mit „intelligenter“ Elektronik vollstopfen werden. Das Gegenteil ist der Fall. Der Grund dafür ist denkbar einfach, und mit vier Buchstaben erklärt: KISS. Ausgeschrieben: „Keep, it simple, stupid“. Dieses Prinzip habe ich (ausgerechnet) in meinem Informatik-Studium kennen gelernt.

Die Vor- und Nachteile von Smart Homes werden im Internet ja ausgiebig diskutiert. Ich setze hier jetzt mal einen Punkt früher an und stelle die Frage: Laufen die Systeme überhaupt? Oder ist die Technik so kompliziert und fehleranfällig, dass sie ständig oder jedenfalls in den entscheidenen Momenten ihren Dienst versagen? Denn erst, wenn sie überhaupt laufen, kann ich die Frage stellen, ob sie auch das richtige tun. Vielleicht habe ich da einfach zu viele Vorurteile, aber jedenfalls wurden sie bestätigt bei unseren beiden Tagen der Probebemusterung.

Hand aufs Herz, wer kennt noch folgenden Bildschirm:

blue screen

Die jüngeren unter uns vielleicht nicht mehr! Denn auf dem PC ist dieser „Windows-Blue-Screen“, der einen kompletten Systemabsturz anzeigt, u.a. dank ausgereifterer Hardwaretreiber zum Glück schon fast ausgerottet.

Vielleicht erlebt er nun wieder eine Renaissance. In einem Musterhaus (Hersteller spielt jetzt keine Rolle), das uns in einer persönlichen Führung vorgestellt wurde, fiel uns dieser Bildschirm auf dem zentralen Smart-Home-Steuerbildschirm im Flur auf. Wohlgemerkt in einem Musterhaus! Super-peinlich, oder? Aber zu Hause soll mir das niemals passieren? :roll: Wer’s glaubt…? (Mal am Rande: Schlimm genug, dass ein Smart Home auf Windows basiert…)

Am zweiten der Tag der Probebemusterung, bei einem zweiten Hersteller, wurde uns eine zwar relativ neue, aber doch außergewöhnlich gute Wärmepumpe angepriesen. Bisher hätte es damit eigentlich noch nie Probleme gegeben. Bei einem späteren ungestörten Rundgang durch die Musterhäuser entdeckten wir dann in einem Gebäude tatsächlich genau dieses Modell. Wir wagten einen Blick auf den Bildschirm, und siehe da (Originalfoto):

20150818_161504

Auch hier in einem Musterhaus. Dort, wo man dem Kunden diese Technik eigentlich schmackhaft machen will. So wird das nix…

Wenn ich jetzt an weitere Beispiele denke, wie einen defekten Finger-Scanner an der Haustür, oder einen automatischen Rollladen, der mich – wenn’s dummläuft – aussperrt, während ich im Garten arbeite, und so weiter und so fort… Nein danke.

Nach diesen Eindrücken kann ich nur wiederholen: KISS. Keep it simple, stupid. Wir bleiben bei der bewährten Heizung mit der Gastherme (umweltfreundlich wird’s durch die gute und ökologische Dämmung) und bauen uns eine nahezu wartungsfreie Solarthermie-Anlage aufs Dach. Das ist jedenfalls unsere Definition von „smart“.

 

3 Gedanken zu „Smart Home oder KISS?

  1. Interressanter Standpunkt! Ich komme ja auch aus dem IT-Bereich und wir haben auch – unter anderem aus den o.a. Gründen – komplett auf alles in der Hinsicht verzichtet! Das einzig smarte ist wohl (falls man das überhaupt so nennen kann) Unterputzradio Gäste-WC :-)

  2. Interessanter Beitrag, da wir auch gerade überlegen wie „smart“ unser neues Haus werden soll. :) Wir haben überlegt, ob wir KNX-Kabel sicherheitshalber verlegen lassen für den Fall, dass wir irgendwann nach Jahren die Smart Home Technik doch anwenden möchten. Dann wäre umsteigen viel einfacher. Ich bin aber auch nicht sicher, ob die Technik wirklich im Einfamilienhausbereich Zukunft hat… Aus Budgetgründen würden wir aber erstmal auf die Automatisation auch komplett verzichten. Euch noch viel Erfolg bei der Planung!

  3. Hallo, wieder einmal etwas gelernt – KISS. 😉
    Natürlich kann man deinen Standpunkt sehr gut nachvollziehen, jedoch möchte ich meine Haus Automation nicht mehr missen. Damals war für mich z.B. klar Rohrmotoren für den Sonnenschutz zu verwenden, doch welches System noch nicht. Ein bidirektionaler Rohrmotor mit Rückmeldung auf meinem Smartphone ist einfach was feines. Vielen Dank für den guten Artikel. VG

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